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Das Reh ist die kleinste Hirschart und das häufigste wildlebende Huftier in Deutschland. Mit einer Jahrestrecke auf Bundesebene von ca. 1
Million stellt es jagdlich die bedeutendste Art dar, auch in Nordrhein-Westfalen. Es ist nicht an den Lebensraum Wald gebunden, sondern besiedelt auch großflächig offene Gebiete. Insbesondere im nord- und
ostdeutschen Tiefland haben sich als Anpassung an die vom Menschen geschaffene "Agrarsteppe" reine Feldrehpopulationen gebildet, die ganzjährig im offenen Gelände leben. Die höchsten Dichten erreicht das
Reh nicht in geschlossenen Waldgebieten, sondern als "Grenzlinienbewohner" im Übergangsbereich zwischen Wald und Feld. Optimale Lebensbedingungen findet Rehwild z.B. in den vom mosaikartigen Wechsel
zwischen Wald, Feld und Wiesen geprägten Landschaften Westfalens oder der Voreifel. Bei der Wildforschungsstelle wurde mit einer Dichte von zeitweilig mehr als 100 Rehen pro 100 ha Wald die höchste, bislang im
Freiland bekannte Dichte ermittelt. Auch auf großer Fläche findet das Reh in Deutschland gute Lebensbedingungen, in keinem anderen Bundesland werden so viele Rehe pro Flächeneinheit geschossen wie in
Baden-Württemberg (4 Rehe pro 100 ha Jagdfläche, bzw. 11 / 100 ha Wald).
Das Reh war nicht immer so häufig wie heute. Historischen Jagdstrecken zufolge waren Rehe noch im 18.
Jahrhundert relativ selten und nicht überall verbreitet. In allen Oberforstämtern Württembergs kamen zwischen 1770 und 1790 pro Jahr durchschnittlich nur 760 Rehe (376 - 1.015) zur Strecke (gegenüber einer mittleren
Rotwildstrecke von 2.573/Jahr). Auch in den Jagdgebieten der Standesherrschaft des Hauses Fürstenberg im Südschwarzwald und auf der Baar (Gesamtfläche ca. 170.000 ha) wurde in dieser Zeit deutlich weniger Rehwild
(1750 - 1772, mittlere Jahresstrecke 0,2 Rehe/100 ha Jagdfläche) als Rotwild (1727 - 1772, mittlere Jahresstrecke 0,48/100 ha Jagdfläche) erlegt. Erst mit dem Niedergang des Rotwildes setzte Anfang des 19.
Jahrhunderts ein Anstieg der Rehwildstrecke ein. Zwischen 1803 und 1815 wurden in Württemberg im Durchschnitt jährlich ca. 1.700 Rehe, aber nur noch ca. 1.000 Stück Rotwild erlegt - das Reh war zur jagdlich
bedeutendsten Schalenwildart geworden. Zu einem rasanten Anstieg des Rehwildbestandes kam es allerdings erst im 20. Jahrhundert. Man schätzt aufgrund der Streckenentwicklung der letzten 100 Jahre, daß sich die
Rehbestände seitdem verfünffacht bis verzehnfacht haben. Bei dieser Entwicklung dürften verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt haben. Zum einen profitierte das Reh von dem größeren Nahrungsangebot als Folge der
Intensivierung der Landwirtschaft und der bis in die 1980er Jahre betriebenen Fichtenwirtschaft im Wald (Schlagflora auf Kahlschlägen). Durch das Verschwinden der Waldweide und die starke Verfolgung des Rotwildes
Mitte des 19. Jahrhunderts verringerte sich zudem die interspezifische Konkurrenz. Schließlich profitierte das Reh vom damals sich neu etablierenden Hegegedanken bei der Jagd, der sich u. a. in einer schonenden
Bejagung äußerte.
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